Dialoge über Freundschaft

Der Epilog des 16. Lípa Musica wird wahrlich symbolisch. Den Fakt, dass sich das Festival schon vor Jahren dem Kampf um die Kultivierung und Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen verschrieben hat, wurde im aktuellen Jahrgang durch Erweiterung der deutschen Spielstätten und der Präsentation deutscher Künstler unterstrichen. Auf geistiger Ebene wird freundschaftlicher, nachbarschaftlicher Dialog, der Glaube an das Verstehen, gegenseitigen Respekt und Entgegenkommen durch einen Dankgottesdienst bekräftig6t, den der Bischof von Dresden-Meißen und der Bischof von Litoměřice gemeinsam zelebrieren werden.  Nicht nur die Liturgie, sondern auch das abschließende Konzert wird vom gregorianischen Choral in der Interpretation der Schola Gregoriana Pragensis gestaltet. Die Dialoge über die Freundschaft verbinden nicht nur Lípa Musica mit dem Festival Tage der deutsch-tschechischen Kultur, sondern auch die deutschen und tschechischen Besucher, die in der Dresdner Hofkirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zusammenkommen, die als Gebäude auch selbst an historisches Leid und Unrecht erinnert. Dieses Konzert ist das Epilog des Festivals Lípa Musica und Absschlusskonzert der Tschechisch-Deutschen Kulturtage und findet in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Dresden und Stiftung Brücke statt. 

Das Internationale Musikfestival Lípa Musica überschreitet seit 2012 regelmäßig die Grenze und veranstaltet auch im grenznahen Sachsen Konzerte. Es initiiert damit einen nachbarschaftlichen Dialog, der die Voraussetzung für gute Partnerschaft und Freundschaft ist. Im Jahr 2017 schaut das Festival im Epilog mit gemeinsamem Dankgottesdienst, zelebriert von den Bischöfen von Dresden-Meißen und Litoměřice, auf das eigene Wirken zurück und drückt seinen Dank dafür aus, dass es das Begonnene weiterführen kann. Den Dankgottesdienst begleitet ein gregorianischer Choral, ausgeführt von dem Ensemble Schola Gregoriana Pragensis unter Leitung von David Eben und auf der Orgel unterstützt von Jaroslav Tůma. Das Programm Antica e moderna vereint in sich, ausgehend von einem Gedanken des Komponisten Petr Eben, die älteste Form des liturgischen Gesangs, den gregorianischen Choral, mit der musikalischen Sprache des 20. Jahrhunderts. So entstand die Suita liturgica, die eine Auswahl aus den liturgischen Gesängen von Petr Eben darstellt, die der Autor durch konzertante Orgelzwischenspiele ergänzte.

Dialoge über Freundschaft / Epilog des Festivals Lípa Musica und der Tschechisch–Deutschen Kulturtage
Sonntag, 12. November, 18.00 Und 19.30 | Dresden, Katholische Hofkirche
Antica e Moderna
Schola Gregoriana Pragensis
David Eben – Künstlerischer Leiter
Jaroslav Tůma – Orgel
Dankgottesdienst Zelebriert von den Bischöfen Dresden–Meißen und Litoměřice Liturgisch Begleitet von einem Gregorianischen Choral

Eintritt freiwillig / Benefzkonzert für den Stiftungsfonds Ozvěna

Die Schola Gregoriana Pragensis wurde 1987 von David Eben gegründet. Zu Beginn durften  sie nur zur Liturgie singen, aber seit Ende 1989 machen sie auch Einspielungen und Konzertauftritte in Tschechien und im Ausland. Die Aufnahmen entstehen bei der Firma Supraphon und erhielten schon eine Reihe Auszeichnungen, u.a.  den prestigeträchtigen Choc du Monde de la Musique. Das Ensemble machte auch Aufnahmen von mehr als 300 Kompositionen für den Tschechischen Rundfunk. Die Schola Gregoriana Pragensis orientiert sich sowohl auf die Interpretation des gregorianischen Chorals nach den ältesten Quellen aus dem 10.-11. Jahrhundert, als auch auf die tschechische Kirchenliedtradition. Dank intensivem Studium der mittelalterlichen Quellen konnte eine Reihe einzigartiger Kompositionen aus dem 13.-15. Jahrhundert erneut aufgeführt werden. Das breite Repertoire des Ensembles umfasst auch Kompositionen aus der Gegenwart, von denen einige direkt für die Schola geschrieben wurden und bei der Premiere auch in deren Interpretation erklangen. Schola kooperierte bei verschiedenen Projekten mit einer Reihe von einheimischen und ausländischen Spitzeninterpreten. Gemeinsam trat sie mit Professor Petr Eben, mit Jiří Bárta, Jaroslav Tůma, Iva Bittová, dem Choeur grégorien de Paris, dem Ensemble Musica Florea, der Jenaer Philharmonie oder der Varmuž Zymbalmusik  auf. Auch ihre musikalische Zusammenarbeit mit dem Klangkörper japanischer buddhistischer Mönche Gyosan-ryu Tendai Shomyo wurde als sehr fruchtbringend eingestuft.

Jaroslav Tůma studierte am Prager Konservatorium bei Jaroslav Vodrážka und an der AMU, wo er sich bei Milan Šlechta und Zuzana Růžičková mit Orgel und Cembalo befasste. Er wurde schon bald Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe, an denen er seit dem Ende der siebziger Jahre teilnahm. Die folgende Konzertkarriere führte ihn in die meisten europäischen Länder, in die USA, nach Kanada, Japan, in die Mongolei, nach Singapur und in die Südafrikanische Republik. Von den musikalischen Aktivitäten muss an die 21 Konzertprogramme  der Jahre 1990-1993 erinnert werden, in deren Verlauf er das komplette Bachsche Orgelwerk aufführte. Oft präsentiert er aber auch die spätere Musik tschechischer Komponisten wie J. Klička, B. A. Wiedermanna oder Petr Eben. Vorwiegend als Solist nahm Jaroslav Tůma um die fünfzig Tonträger auf. Darunter soll an die Reihe Historische Orgeln in Böhmen erinnert werden, die den authentischen Klang seltener Orgeln von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert erfassen. Neben der umfangreichen Konzerttätigkeit beschäftigt sich Jaroslav Tůma auch mit Filmmusik und der Weitergabe der eigenen Erfahrungen an die folgenden Generationen, denn er ist Dozent an der Fakultät für Musik und Tanz an der AMU in Prag und häufiges Jurymitglied bei internationalen Orgelwettbewerben.